Immer mehr Jugendliche kommen mit ihrem Taschengeld nicht aus - das kann verschiedene Gründe
haben. Zum Einen fällt es vielen Eltern heute schwer, ihren Kindern noch genug Geld zu geben,
da sie selbst kaum noch ihre Rechnungen bezahlen können. Zum Anderen ist der Kaufdruck heute
viel größer als früher. Die Werbung, der wir alle ununterbrochen ausgesetzt sind, erzeugt
Wünsche und Bedürfnisse, die es früher nicht gab. Gerade mal zwanzig Jahre ist es her, dass
im Osten Deutschlands viele Menschen kein Telefon hatten, noch nicht einmal einen
Festnetzanschluss - inzwischen hat fast jeder sein eigenes Mobiltelefon. Unser modernes
Leben ist so sehr darauf ausgerichtet, dass es ohne kaum noch geht. Jugendliche bilden
da keine Ausnahme. Wer sich nicht mit seinen Bekannten per SMS austauschen kann oder
bei einer kleinen Verspätung nicht von unterwegs anruft, ist seine Freunde unter
Umständen bald los. Ähnlich schnell gerät man ins Abseits, wenn man nicht die
richtige Kleidung trägt oder nicht wenigstens das eine oder andere Spiel für die
eigene Spielkonsole mit den Freunden teilen kann. So bedenklich diese Entwicklung
auch ist, sie bietet durchaus auch Chancen. Früh lernen die Kinder von heute, sich
wirtschaftlich zu betätigen - mit anderen Worten, eigenes Geld zu verdienen. Wie
aber macht man das, wenn man noch keinen Beruf erlernt hat und auch die Gesetze
gegen Kinderarbeit so vieles verbieten? Eine geradezu klassische, aber immer
noch aktuelle Antwort lautet: Indem man anderen Kindern beziehungsweise deren
Eltern unter die Arme greift. Immer mehr jüngere Kinder brauchen bei den
Hausaufgaben Betreuung, und auf Kleinanzeigenseiten im Internet liest man
immer wieder "Bin alleinerziehend, suche Babysitter" oder Ähnliches. Diese
Tätigkeiten haben einen hohen erzieherischen Wert. Die Jugendlichen lernen,
Verantwortung zu übernehmen, mit anderen Menschen umzugehen, Anderen
etwas beizubringen und nicht zuletzt, sparsam zu sein. Denn wer für sein
Geld hart arbeiten muss, überlegt sich bald sehr gründlich, ob er das
neueste Spiel aus der Werbung wirklich braucht.
Autor: Andreas Mettler
Email: presse[at]mettlerweb.de
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