Es ist noch gar nicht solange her, da formulierte John Barlow die Unabhängigkeitserklärung des
Internet:
"Regierungen der industrialisierten Welt, ihr abgekämpften Riesen aus Fleisch und Stahl. Ich
komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch:
Lasst uns allein. Ihr seid hier nicht willkommen, ihr habt hier keine Macht."
Das war im Jahre 1996. Doch in der Gegenwart ist diese Vision schon wieder Geschichte. Überall
auf diesem Erdball dringen die Regierungen immer tiefer regulierend in das weltumspannende
Netz ein. Und es sind nicht nur die Diktaturen wie China und der Iran, sondern auch die
großen Demokratien unserer Welt. So arbeitet gerade die australische Regierung an einem
Filter, durch den über 10.000 Webseiten gesperrt werden sollen. In Dänemark und Schweden
gibt es bereits solche Einschränkungen. Auch in Deutschland und Frankreich wird darüber
nachgedacht.
Das häufigste Argument für solche Filtersysteme ist der Jugendschutz und der weltweite Kampf
gegen die Kinderpornographie und den Terrorismus. Sicherlich ein hehres Ziel und niemand mit
einem halbwegs wachen Verstand wird sich hiergegen auflehnen. Solcher Schund hat auch im Netz
der Netze nichts zu suchen.
Der Nachteil - und damit die große Gefahr für das Internet - besteht darin, dass die
Filterkriterien nicht öffentlich zugänglich und damit demokratisch sind. Auf der Filterliste
der australischen Regierung befinden sich z.B. überraschenderweise neben legalen (!)
Pornoseiten auch Internetauftritte von Zahnärzten. Manchmal fragt man sich auch wer wohl
die Kriterien aufgestellt hat, die dazugeführt haben, dass Webseiten aufgenommen werden
die evtl. die Magersucht fördern können. Fette Politiker?
Das diktatorische Regime ihren Status Quo nur halten können, wenn sie ihrem Volk eine
Maulsperre verpassen und es letztendlich verdummen lassen, ist aus der ‚freien' Welt nicht
zu ändern. Wenn aber in unseren hochgelobten Demokratien solche Mittel angewandt werden um
das Volk regierbarer zu machen, so muß man sich dagegen auflehnen.
Niemand hat etwas dagegen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist oder wird. Wenn aber
Filtertechnologien installiert werden, müssen sie auf demokratischen Grundsätzen beruhen und
für jedermann(-frau) nachvollziehbar sein. Dass das Internet und seine User dazu fähig sind,
zeigt die freie Enzyklopädie Wikipedia. Tausende und abertausende User haben hier ein
Wissensforum geschaffen, dass seines gleichen sucht. Die hohe Qualität wird dadurch
gewährleistet, dass jeder User die einzelnen Beiträge mit seinem Wissen erweitern und
berichtigen kann. Und ganz und gar nicht überraschend: Es funktioniert!
Autor: Petra Brerkovic
Email: petra.brekovic[at]gmx.net
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